Ein echter Amerikaner isst, was er will, und fährt einen großen Truck

Für „neues deutschland“ habe ich mit dem amerikanischen Historiker Rick Perlstein gesprochen. Perlstein arbeitet seit langem an einer mehrbändigen Geschichte des amerikanischen Konservatismus. Er konzentriert sich dabei nicht nur auf die großen Linien, sondern erzählt vor allem vom politischen Alltagsbewusstsein und den sozialen Konflikten, aus denen die amerikanische Rechte seit den 50ern entstanden ist. Seine Bücher sind für mich das Beste, was man zu dem Thema lesen kann, und unerlässlich, um zu verstehen, wie jemand wie Donald Trump Präsident werden konnte.

Hier ist das Interview:
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1111050.rick-perlstein-ein-echter-amerikaner-isst-was-er-will-und-faehrt-einen-grossen-truck.html

„Fällt auseinander“

Ich hab für „der Freitag“ den Bildungsforscher Marcel Helbig interviewt. Mir war vorher gar nicht bewusst, wie verbreitet Privatschulen in Deutschland sind. Auch welche Dimensionen die geographische Trennung der sozialen Schichten und die soziale Segregation in den Schulen inzwischen angenommen haben, hat mich überrascht. Über das Thema wird auch nicht viel geredet, es ist gewissermaßen der stumme Teil aller Debatten über Integration, Flüchtlinge und dergleichen.

Hier gibt es das ganze Interview:
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/faellt-auseinander

Die eigenen Privilegien stressfreier genießen

Ich hab was bei ZEIT-Online über linke und rechte Kritik am liberalen Moralismus geschrieben, und über die merkwürdigen Texte der #aufstehen-Leute Wagenknecht, Stegemann, Streeck.

Hier geht es zum Text: https://www.zeit.de/kultur/2018-09/sammlungsbewegung-aufstehen-sahra-wagenknecht-bernd-stegemann-moral-rhetorik

Hier ein Ausschnitt:
Gegen eine linke Kritik am liberalen Moralismus ist a priori nichts einzuwenden, es kommt nur darauf an, wie sie im Detail argumentiert. Linke Moralkritik zielt darauf, das gute Gewissen der Mächtigen zu stören, sie will die Selbstzufriedenheit der Privilegierten infrage stellen. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, dieser berühmte Satz aus Brechts Dreigroschenoper will nicht das unmoralische Verhalten der Armen und Unterdrückten entschuldigen, er ist vielmehr ein Vorwurf an die Mächtigen. Diese könnten sich ihre tugendhaften Predigten nur deshalb leisten, weil sie von einer zutiefst ungerechten Gesellschaftsordnung profitierten. „Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben / Und Sünd und Missetat vermeiden kann / Zuerst müßt ihr uns was zu fressen geben / Dann könnt ihr reden: Damit fängt es an.“

Das Gerede von den Kosmopoliten

Ein Text von mir im Freitag, über dieses unselige Begriffspaar „Kosmopoliten“ und „Kommunitaristen.“

Hier geht es zum Artikel:

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wer-sind-nur-diese-kosmopoliten

Hier ein Ausschnitt:

„Das ist der falsche Tenor unserer Zeit, das Grundnarrativ, das bis weit in die politische Mitte hinein die Debatte über die derzeitigen gesellschaftlichen Krisen bestimmt: auf der einen Seite die liberalen Eliten, die frei und ungebunden um die Welt jetten und mit ihrer Zwillingsobsession vom Freihandel und multikultureller Progressivität ihre Nation und das einfache Volk verraten haben; und auf der anderen Seite die einfachen Menschen, die im Gegensatz zu den „mobilen“ Eliten auf ihre „Heimat“ und auf eine geschützte nationale Wirtschaft angewiesen sind.

Dieses Narrativ ist nicht nur falsch, es ist auch reaktionär. Es verschleiert die tatsächlichen Widersprüche und Machtverhältnisse unserer Gesellschaft, indem es sie durch eine irreführende kulturalisierte Linse zeigt. Dass sich dieses Wahrnehmungsmuster immer mehr durchsetzt, bedeutet einen Hegemoniegewinn der Rechten. Denn wenn die Irrationalität und Brutalität des globalen Kapitalismus erst einmal mit Kosmopolitismus, mit kultureller Differenz oder hybriden Identitäten assoziiert wird, scheint nur noch die nationale „Gemeinschaft“ Schutz bieten zu können.“