North Stream 2: »Es ist der alte Traum russischer Großmachtpolitik«

Für die Jungle World habe ich mit Ralf Fücks vom Zentrum Liberale Moderne über Nord Stream 2 und den Konflikt mit Russland gesprochen:

https://jungle.world/index.php/artikel/2019/05/es-ist-der-alte-traum-russischer-grossmachtpolitik

Es gibt eine historische Strömung in Deutschland, die eine Achse Berlin – Moskau als strategisches Ziel verfolgt und ein Sonderverhältnis zwischen Deutschland und Russland wünscht. Das geht zurück bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts, wo es schon die Vorstellung gab, Russland als Rohstofflieferanten an Deutschland zu binden und im Gegenzug Deutschland als den Hauptindustriepartner Russlands ins Geschäft zu bringen. Das ist die alte Denke, und die ist immer noch virulent. Die deutsche Wirtschaft hat enorm viel in Russland investiert. Solange man sich mit der Machtspitze ­arrangiert, hat man Protektion. Das ist genau das Muster, das hinter Nord Stream 2 steckt.“

Ein echter Amerikaner isst, was er will, und fährt einen großen Truck

Für „neues deutschland“ habe ich mit dem amerikanischen Historiker Rick Perlstein gesprochen. Perlstein arbeitet seit langem an einer mehrbändigen Geschichte des amerikanischen Konservatismus. Er konzentriert sich dabei nicht nur auf die großen Linien, sondern erzählt vor allem vom politischen Alltagsbewusstsein und den sozialen Konflikten, aus denen die amerikanische Rechte seit den 50ern entstanden ist. Seine Bücher sind für mich das Beste, was man zu dem Thema lesen kann, und unerlässlich, um zu verstehen, wie jemand wie Donald Trump Präsident werden konnte.

Hier ist das Interview:
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1111050.rick-perlstein-ein-echter-amerikaner-isst-was-er-will-und-faehrt-einen-grossen-truck.html

„Fällt auseinander“

Ich hab für „der Freitag“ den Bildungsforscher Marcel Helbig interviewt. Mir war vorher gar nicht bewusst, wie verbreitet Privatschulen in Deutschland sind. Auch welche Dimensionen die geographische Trennung der sozialen Schichten und die soziale Segregation in den Schulen inzwischen angenommen haben, hat mich überrascht. Über das Thema wird auch nicht viel geredet, es ist gewissermaßen der stumme Teil aller Debatten über Integration, Flüchtlinge und dergleichen.

Hier gibt es das ganze Interview:
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/faellt-auseinander

Die eigenen Privilegien stressfreier genießen

Ich hab was bei ZEIT-Online über linke und rechte Kritik am liberalen Moralismus geschrieben, und über die merkwürdigen Texte der #aufstehen-Leute Wagenknecht, Stegemann, Streeck.

Hier geht es zum Text: https://www.zeit.de/kultur/2018-09/sammlungsbewegung-aufstehen-sahra-wagenknecht-bernd-stegemann-moral-rhetorik

Hier ein Ausschnitt:
Gegen eine linke Kritik am liberalen Moralismus ist a priori nichts einzuwenden, es kommt nur darauf an, wie sie im Detail argumentiert. Linke Moralkritik zielt darauf, das gute Gewissen der Mächtigen zu stören, sie will die Selbstzufriedenheit der Privilegierten infrage stellen. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, dieser berühmte Satz aus Brechts Dreigroschenoper will nicht das unmoralische Verhalten der Armen und Unterdrückten entschuldigen, er ist vielmehr ein Vorwurf an die Mächtigen. Diese könnten sich ihre tugendhaften Predigten nur deshalb leisten, weil sie von einer zutiefst ungerechten Gesellschaftsordnung profitierten. „Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben / Und Sünd und Missetat vermeiden kann / Zuerst müßt ihr uns was zu fressen geben / Dann könnt ihr reden: Damit fängt es an.“