„Warum finanziert die Regierung das?“ (konkret)

Oktober 2016

Die Software Tor soll es möglich machen, anonym im Internet zu kommunizieren und sich vor staatlicher Überwachung zu schützen. Wie eng die Grenzen dieses Schutzes allerdins sind, darüber sprach konkret mit dem amerikanischen Journalisten Yasha Levine.

Eine englische Version des Interviews gibt es hier:
https://surveillancevalley.com/blog/interview-in-german-magazine-konkret-about-tor-and-the-cult-of-crypto

„Leni Riefenstahl der Tea Party“ (konkret)

Januar 2016

Donald Trump, „Breitbart News“ und die Alt-Right-Bewegung: Sieht so der Aufbruch zu einem neuen autoritären Nationalismus aus?

»Ich kann einfach nicht glauben, dass Nixon wirklich die Wahl gewonnen hat. Ich kenne niemanden, der für ihn gestimmt hat!« So soll die Theaterkritikerin Pauline Kael auf Nixons Wahlsieg 1972 reagiert haben. Das Zitat ist falsch, wird aber von Konservativen immer wieder bemüht, um die Abgehobenheit der »liberalen Eliten« zu illustrieren, die einfach keine Ahnung hätten, wie »echte Amerikaner« ticken. So ganz unrecht hatten sie damit nie – das gilt besonders auch fürs Jahr 2016. Der Schock des Trump-Siegs sitzt tief im liberalen Lager. Wer sind diese Leute, fragt man sich, die eine rassistische Witzfigur zum Präsidenten gemacht haben? Man hatte sie schließlich gewarnt. Hillary Clintons Wahlkampf bestand fast ausschließlich darin, Trump als einen Extremfall zu inszenieren, der mehr mit Putin und dem Ku-Klux-Klan zu tun hat als mit der ehrwürdigen Tradition des amerikanischen Konservatismus. »Das ist nicht Konservatismus, wie wir ihn kennen. Er ist kein normaler Republikaner«, sagte sie in einer vielbeachteten Rede. Vielmehr stehe Trump für »eine gerade entstehende rassistische Ideologie, die man Alt-Right nennt«. Wichtigstes Beweisstück war und ist Trumps Wahlkampfleiter und Chefstratege Stephen Bannon, der seine Nachrichtenseite »Breitbart News« als »Plattform der Alt-Right« bezeichnete. Clinton nannte ein paar Schlagzeilen von »Breitbart«. Eine hieß: »Hängt sie hoch und seid stolz: Die Konföderierten-Flagge verkündet ein glorreiches Erbe.« Eine andere: »Soll dein Kind lieber an Feminismus oder an Krebs erkranken?«

(…)

Lest den ganzen Artikel hier:

http://www.konkret-magazin.de/aktuelles/aus-aktuellem-anlass/aus-aktuellem-anlass-beitrag/items/leni-riefenstahl-der-tea-party.html

Im Schatten des Neoliberalismus (Die Gazette)

 

Winter 2016

1.

Es gab mal eine Zeit, in der man noch an die Zukunft glaubte. Das galt nicht nur für versponnene Modernisten und politische Revolutionäre. Sogar ein nüchterner bürgerlicher Ökonom wie John Meynard Keynes war der Ansicht, eine radikal bessere Zukunft sei nicht nur wahrscheinlich, sondern geradezu unvermeidlich, würde die Menschheit sich nur ein wenig zusammenreißen. In seinem Essay über „Wirtschaftliche Möglicheiten für unsere Enkelkinder“ sagte Keynes vorraus, dass in wenigstens 100 Jahren alle ökonomischen Probleme überwunden und die Menschheit vom Joch der Arbeit befreit sein würde. Man müsse nur noch ein wenig durchhalten und weiter „Geiz, Wucher und Vorsicht“ als „unsere Götter“ akzeptieren, „denn nur sie können uns aus dem Tunnel der wirtschaftlichen Notwendigkeit ans Tageslicht führen.“

Weiterlesen „Im Schatten des Neoliberalismus (Die Gazette)“

Selbsternannte Intellektuelle (der Freitag)

Oktober 2016

Wie das völkische Netzwerk der „Identitären“ versucht, auf sich aufmerksam zu machen

Mit Paul Simon

„Erst wollte ich euch dazu beglückwünschen, dass ihr den blutigen Merkelsommer überlebt habt.“ So begrüßt der führende Kopf der „Identitären Bewegung“, Martin Sellner, das Publikum, das sich am Montag dieser Woche auf Einladung Jürgen Elsässers, Herausgeber des rechten Compact-Magazins, in einem Hotel in Berlin-Mitte eingefunden hat.

Die „neue Protestjugend“, so lautet der Titel der Veranstaltung, soll an diesem Abend gefeiert werden: Die „Identitären“ besetzten im vergangenen Monat erst das Brandenburger Tor und unterbrachen dann medienwirksam eine live im Radio übertragene Veranstaltung mit Jakob Augstein und Margot Käßmann. Gerade letztere Aktion hat es Sellner angetan; er schwelgt in dem Erfolg, den „Propagandainstrumenten der Multikulti-Ideologie“ einen Schrecken eingejagt zu haben. Rechte Aktivisten im Publikum hatten laut Parolen skandiert und dazu Schilder hochgehalten, auf denen das Wort „Heuchler“ zu lesen war. Sellner schwört, auch in Zukunft die „Meinungsdiktatoren“ zu „treffen, wo sie es nicht erwarten“ und kündigt weitere Aktionen an: „Die werden sich noch wünschen, in einer Zeit zu leben, wo man nur Schilder hochgehalten hat!“

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/selbsternannte-intellektuelle

Die Nazis von You-Tube (neues deutschland)

Oktober 2016

Die »Identitäre Bewegung« gibt sich smart und aktionistisch

mit Paul Simon

»Die neue Protestjugend stellt sich vor« – so hieß die Veranstaltung zu der Jürgen Elsässers Compact-Magazin in ein unscheinbares Hotel in Berlin Mitte einlud. Ein leicht in die Jahre gekommenes Publikum lauschte Reden von der rechten Revolution. Die Stars des Abends waren die rechten Aktivisten der »Identitären Bewegung«, die kürzlich in Berlin mit zwei Aktionen für Aufsehen gesorgt hatten. Einer ihrer Anführer, der Österreicher Martin Sellner, hielt eine flammende Ansprache über das »Feuer der Jugend« im Kampf gegen die »Multikulti-Meinungsdiktatoren«. Besonders stolz war er auf die gerade eine Woche zurückliegende Störung beim »Freitag Salon«: Rechte Aktivisten hatte in einer live im Radio übertragenen Diskussion mit Jakob Augstein und Margot Käßmann Parolen skandiert. »Propagandainstrument der Mutltikulti-Ideologie«, nannte Sellner Augstein und Käßmann, und versprach: »Das war erst der Anfang! Wir werden noch viel spektakulärere Ak…

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1026794.die-nazis-von-youtube.html?sstr=johannes|simon

Von Los Angeles bis Milwaukee (neues deutschland)

August 2016

Polizeigewalt ist nur das sichtbarste Symptom tiefer liegender Probleme

Ein Rätsel: Gesucht ist eine US-amerikanische Stadt, in der schwarze Bürger in einigen Bezirken konzentriert sind, in denen exorbitante Armut herrscht. Theoretisch gleich vor dem Gesetz, hat die schwarze Bevölkerung unter alltäglichen Demütigungen durch die Polizei zu leiden, bis irgendwann ein Vorfall das Fass zum Überlaufen bringt. Spontan sammelt man sich zu Protesten in den Straßen; die Stimmung kippt, plötzlich brennen Autos und Geschäfte, bis schließlich die Nationalgarde gerufen wird, um für Ordnung zu sorgen.

Gemeint sein könnte Los Angeles im Jahre 1965, wo es damals zu den »Watts Riots« kam, den ersten großen Rassenunruhen der 60er Jahre. Doch mit denselben Worten kann man beschreiben, was sich in den letzten Tagen in Milwaukee abspielte. 50 Jahre und die Wahl des ersten afro-amerikanischen Präsidenten liegen zwischen den beiden Ereignissen – umso mehr fällt ins Auge, was sich nicht geändert hat. In Milwaukee sind die Wo…

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1022731.von-los-angeles-bis-milwaukee.html?sstr=johannes|simon