Weinerliche Konservative

In der konservativen Neuen Zürcher Zeitung (laut Alexander Gauland das „Westfernsehen“ der BRD-Merkeldiktatur) ist kürzlich der zehntausendste Artikel erschienen, der sich über die Intoleranz und hypermoralische Arroganz des linksliberalen Establishments beklagt. „Wer für abweichende Haltungen nur Schweigen übrig hat, verrät das Erbe der Aufklärung“ lautet der etwas unhandliche Titel, der Autor heißt Thomas Ribi. Wie es für dieses Genre typisch ist, muss man sich durch jede Menge inhaltsleeres Ressentiment wühlen, bis man auf etwas stößt, das irgendwie als Argument durchgehen könnte. Man gebe sich diesen Absatz, als Beispiel: Weiterlesen „Weinerliche Konservative“

Wer ist der Feind? Über konservative Kulturkämpfe

Ressentiment kann man als den Wunsch beschreiben, an Menschen Rache zu nehmen, die einem nie etwas getan haben. Es ist die Lebenseinstellung von Leuten, die täglich von ihren Vorgesetzten und anderen Manifestationen eines irrationalen, ungerechten Wirtschaftssystems gebeutelt werden, und dennoch glauben, ihr wirkliches Problem seien irgendwelche arroganten Großstädter, die ihnen geschlechtergerechte Sprache aufzwingen wollen. Weiterlesen „Wer ist der Feind? Über konservative Kulturkämpfe“

Eight miles high

Ein gebrochenes Schlüsselbein ist, habe ich mir sagen lassen, eine schmerzhafte Angelegenheit – in Deutschland. Als mir so was in den USA passierte, habe ich von den Schmerzen wenig mitbekommen. Im Krankenhaus gab es sofort Morphium, und ich war geradezu euphorisch, als ich kurz darauf in der 24-Stunden-Apotheke auf meine Medikamente wartete. Das Schmerzmittel Percocet enthält den Wirkstoff Oxycodon, eines der stärkeren Opioide. Ich bekam 60 Tabletten, nahm zwei am Tag und fühlte mich großartig. Die Schmerzen waren da, spielten aber keine Rolle. Und bald nahm ich die Tabletten mit etwas schlechtem Gewissen, weil ich sie eigentlich nicht mehr brauchte.

(…)

Meinen Text über die Opiatkrise in den USA, der im Januar in der Konkret erschienen ist, kann man jetzt online lesen:
http://www.konkret-magazin.de/aktuelles/aus-aktuellem-anlass/aus-aktuellem-anlass-beitrag/items/eight-miles-high.html

Was ist Donald Trump?

Seit mehr als einem Jahr ist Trump nun Präsident. Schlimm war es, aber es hätte schlimmer kommen können. Hinter den fast täglich neuen rassistischen Unsäglichkeiten, den ständigen Skandalen, der monotonen Medienbeschimpfung, den permanenten Lügen, den Twitter-Spielchen mit dem Atomkrieg und den weiterlaufenden Russlandermittlungen, scheint Trump inzwischen geradezu domestiziert zu sein. Die ganz große autoritäre Revolte ist ausgeblieben und der Möchtegern-Lenin Steve Bannon hat den Einfluss, den er mal gehabt haben mag, schon vor langer Zeit verloren. Immer reibungsloser arbeitet die republikanische Partei mit dem Präsidenten zusammen. Steuerreform, Ölausbeutungsrechte, gelockertes Arbeitsrecht und die unzähligen, kleinen und großen Wohltaten für Arbeitgeber, die in den Medien kaum Aufmerksamkeit bekommen – Trump macht alles mit.      Weiterlesen „Was ist Donald Trump?“

Europäische Lager

In der nächsten Konkret (Februar) habe ich einen weiteren Artikel über die europäischen Bemühungen, die zentrale Mittelmeerroute durch Libyen zu schließen. Ich spreche dabei auch über die sich langsam abzeichnenden Konturen eines zukünftigen europäischen Systems des Grenzmanagements. Dieses zielt darauf ab, “irreguläre Migration“ komplett zu unterbinden, um stattdessen „besonders schutzbedürftige Flüchtlinge“ aus Lagern weitab der europäischen Grenzen – in der Türkei, Jordanien, Libyen oder anderen afrikanischen Ländern – nach Europa „umzusiedeln.“ Weiterlesen „Europäische Lager“

Wer hat die Macht?


Der Soziologe Andreas Reckwitz spricht in einem Interview mit der ZEIT über seine These zur „Gesellschaft der Singularitäten.“ Sein gleichnamiges Buch ist ein Bestseller – kaum überraschend, da es anscheinend (ich habe es nicht gelesen) vor allem dem anschwellendem Volksempfinden nach dem Mund zu reden scheint – jenes im gesamten politischen Spektrum wachsende, vage Unbehagem am gesellschaftlichem Fortschritt, diese immer stärker werdende Überzeugung, man habe es irgendwie übertrieben mit der Freiheit, dem Modernen und dem Emanzipatorischen.
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