Die eigenen Privilegien stressfreier genießen

Ich hab was bei ZEIT-Online über linke und rechte Kritik am liberalen Moralismus geschrieben, und über die merkwürdigen Texte der #aufstehen-Leute Wagenknecht, Stegemann, Streeck.

Hier geht es zum Text: https://www.zeit.de/kultur/2018-09/sammlungsbewegung-aufstehen-sahra-wagenknecht-bernd-stegemann-moral-rhetorik

Hier ein Ausschnitt:
Gegen eine linke Kritik am liberalen Moralismus ist a priori nichts einzuwenden, es kommt nur darauf an, wie sie im Detail argumentiert. Linke Moralkritik zielt darauf, das gute Gewissen der Mächtigen zu stören, sie will die Selbstzufriedenheit der Privilegierten infrage stellen. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, dieser berühmte Satz aus Brechts Dreigroschenoper will nicht das unmoralische Verhalten der Armen und Unterdrückten entschuldigen, er ist vielmehr ein Vorwurf an die Mächtigen. Diese könnten sich ihre tugendhaften Predigten nur deshalb leisten, weil sie von einer zutiefst ungerechten Gesellschaftsordnung profitierten. „Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben / Und Sünd und Missetat vermeiden kann / Zuerst müßt ihr uns was zu fressen geben / Dann könnt ihr reden: Damit fängt es an.“

Das Gerede von den Kosmopoliten

Ein Text von mir im Freitag, über dieses unselige Begriffspaar „Kosmopoliten“ und „Kommunitaristen.“

Hier geht es zum Artikel:

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wer-sind-nur-diese-kosmopoliten

Hier ein Ausschnitt:

„Das ist der falsche Tenor unserer Zeit, das Grundnarrativ, das bis weit in die politische Mitte hinein die Debatte über die derzeitigen gesellschaftlichen Krisen bestimmt: auf der einen Seite die liberalen Eliten, die frei und ungebunden um die Welt jetten und mit ihrer Zwillingsobsession vom Freihandel und multikultureller Progressivität ihre Nation und das einfache Volk verraten haben; und auf der anderen Seite die einfachen Menschen, die im Gegensatz zu den „mobilen“ Eliten auf ihre „Heimat“ und auf eine geschützte nationale Wirtschaft angewiesen sind.

Dieses Narrativ ist nicht nur falsch, es ist auch reaktionär. Es verschleiert die tatsächlichen Widersprüche und Machtverhältnisse unserer Gesellschaft, indem es sie durch eine irreführende kulturalisierte Linse zeigt. Dass sich dieses Wahrnehmungsmuster immer mehr durchsetzt, bedeutet einen Hegemoniegewinn der Rechten. Denn wenn die Irrationalität und Brutalität des globalen Kapitalismus erst einmal mit Kosmopolitismus, mit kultureller Differenz oder hybriden Identitäten assoziiert wird, scheint nur noch die nationale „Gemeinschaft“ Schutz bieten zu können.“

Closed for Business: Was steckt hinter Trumps Handelskrieg? (Mai 2018)

(Dieser Text erschien in der Mai-Ausgabe 2018 der konkret.)

1782, als der verarmte Schuldner Samuel Slater eine Ausbildung in einer britischen Textilfabrik begann, war die englische Industrie weltweit ohne Konkurrenz. Die USA waren ein bloßer Rohstoffexporteur und konnten mit der englischen Produktion nicht annähernd mithalten. Damit dies so blieb, verbot England seinen Textilarbeitern unter Androhung einer Gefängnisstrafe, in die USA zu reisen. Amerikanische Industrielle wiederum boten hohe Summen für englisches Technologie-Know-how und Maschinenpläne. Um britische Patente scherte man sich in Amerika nicht, das US-Handelsministerium schickte sogar Agenten nach England, um die dortige Industrie auszuspionieren. Weiterlesen „Closed for Business: Was steckt hinter Trumps Handelskrieg? (Mai 2018)“

Europe First: Trump, Europa und die Krise des transatlantischen Bündnisses. (2017)

(Dieser Text erschien im Sommer 2017 in der konkret.)

Spätestens seit Donald Trump beim G7-Treffen im Mai die drei Säulen der westlichen Wertegemeinschaft in Frage stellte – Nato, Freihandel und Klimaheuchelei -, stand in Deutschland fest: Nur die „Weltkanzlerin Merkel“ kann die freie Welt noch gegen den US-Chauvinismus verteidigen. Als die Bundeskanzlerin kurz darauf in einer Bierzeltrede davon sprach, Europa müsse sein Schicksal jetzt selbst in die Hand nehmen, war das zwar bewusst ambivalent formuliert, doch bei den Medien kam die Botschaft an: Das transatlantische Bündnis drohe, an den chauvinistischen, selbstsüchtigen USA zu zerbrechen, und die Fackel des „leader of the free world“ übernehme nun Deutschland. Weiterlesen „Europe First: Trump, Europa und die Krise des transatlantischen Bündnisses. (2017)“