Was normal ist

Unter Pseudonym habe ich die Sache mit Clemens Tönnies kommentiert.

https://jungle.world/index.php/artikel/2019/33/was-normal-ist

Der entscheidende Absatz:

„Der ganze Vorgang ist aber auch aus einem weiteren Grund ­deprimierend. Ein Skandal zeigt, was eine Gesellschaft nicht akzeptieren will. Im Umkehrschluss zeigt er auch, was eine Gesellschaft ­eigentlich für ganz in Ordnung hält, für normal, für nicht der Rede wert. Tönnies betreibt den größten Schlachtbetrieb in Deutschland, mit einem Jahresumsatz von etwa sechseinhalb Milliarden Euro. Zahlreiche Medienberichte weisen darauf hin, wie schlimm die Zustände in Tönnies’ Schlachtbetrieb sind: Niedriglohn, Werkverträge, Subunternehmen, Gewerkschaftsfeindlichkeit, übelste Ausbeutung besonders von osteuropäischen Arbeitern und die heftige Umweltbelastung, die zu diesem Geschäft dazugehört. All das scheint kein Skandal sein, der für den Boss eines Profifußballclubs Konsequenzen hätte – weil es eben normal ist.“

 

Das Geschäftliche zuerst: Wirtschaft in der Westbank

Vor ein paar Wochen war ich in Israel und den besetzten Gebieten, in Ramallah. Herausgekommen ist eine Reportage über wirtschaftliche Kooperation zwischen Israelis und Palästinensern – in der nebenbei durchscheint, dass das ganze eigentlich völlig aussichtslos ist. Den Eindruck habe ich zumindest, but only time will tell.

https://jungle.world/artikel/2019/32/das-geschaeftliche-zuerst

Jung und depressiv

Mein Artikel über psychische Probleme und Burn Out bei Studierenden, erschienen bei der Freitag: https://www.freitag.de/autoren/josimon/jung-und-depressiv

Ich hoffe, ich bin dem schwierigen Thema gerecht geworden. Neben zwei Betroffenen kommt auch Hartmut Rosa zu Wort:

„Stress und Arbeitsbelastung sind freilich nichts Außergewöhnliches in unserer Gesellschaft. Menschen, die eine Ausbildung absolvieren oder fest angestellt sind, geht es nicht unbedingt besser, sagt Rosa. Doch die Probleme stellten sich für sie in anderer Form. Man leidet dann vor allem an der „Nichtfreiheit“, daran, „dass man morgens um acht am Arbeitsplatz sein muss und der Chef gibt den Takt vor“. Bei den Studierenden jedoch sei dieses Verhältnis nach innen verlagert: „Sie haben ja alles selbst gewählt. Es gibt niemanden, den sie verantwortlich machen können, auch nicht für die negativen Aspekte.“ Gerade diese Freiheit mache Studierende zu „schuldigen Subjekten“: Immer sind sie unzulänglich, „sie haben nicht genug gelesen, sie haben den Essay nicht gut genug gemacht, sie haben sich noch nicht um den Praktikumsplatz gekümmert, sich nicht um den Auslandsplatz beworben, haben die Fremdsprache nicht gelernt, und dann sollen sie auch noch Sport und Yoga machen und lauter solche Sachen“. Die Studierenden würden all diese Erwartungen als legitim empfinden – ihnen nicht zu genügen, ist dann nicht entschuldbar.“

 

Stell dir vor es ist Infokrieg

Ein paar Gedanken zu Propaganda, Desinformation und einer „angemessen unpatriotischen Sicht auf den Infokrieg“. Das Thema ist nicht mehr so aktuell, aber es wird uns weiter begleiten; es ist ein Aspekt der zunehmenden Konkurrenz rivalisierender Mächte in einer multipolaren Welt.

Vor jeder größeren Wahl wird vor russischer Einflussnahme gewarnt, das ist inzwischen zur Routine geworden. Auch die zurückliegende Europawahl war Ziel russischer Propaganda – das konnte man zumindest den Medien entnehmen, auch wenn man selbst nichts davon mitbekam. „Geheimdienste sollen russische Beeinflussung beobachten“ hieß es etwa bei ZEIT-ONLINE.

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